Auslegung zur Monatslosung

von Fritz Kreutzke

Da weinte Jesus
Eine ungewöhnlich kurze Bibelstelle, die uns für den Monat März
vorgegeben ist. Sie ist im Johannesevangelium, im Kapitel 11, zu finden.
Es ist der Vers 35 und lautet:
Und Jesus gingen die Augen über.
In dieser Formulierung finden wir, in der Bibel bei Luther, noch diesen
Begriff. Ich kann mich in diese Wortwahl hineindenken. Da empfinde ich
ein tieferes „Hineinfühlen“ in das entstandene Leid. Ich denke, wenn wir
das voran-gegangene Geschehen betrachten, erhalten wir das Verständnis
für Jesu Verhalten.
Was war geschehen?
Wir wissen von den Wanderungen des Herrn in den Landstrichen des
heiligen Landes. Er hatte keinen festen Wohnsitz, von dem aus er wirkte.
So fand er mit seinen Jüngern Unterkunft in gastlichen Häusern. Eines
Tages, so wird uns in/von Lukas berichtet (Luk 10,38+39 ff), kommt er
nach Bethanien. Er findet Zuflucht im Hause von Martha, die dort mit
ihrer Schwester Maria lebte. Ein Bruder, mit Namen Lazarus, gehörte noch
mit zu der kleinen Familie. Es waren Leute, die an Jesus, den Sohn Gottes,
glaubten. So entwickelte sich eine innige Freundschaft, die auch an Jesu
Vollmacht glaubte. Im Vers 5 wird uns gesagt, dass der Herr die drei
Geschwister liebte.
Eines Tages erkrankte Lazarus.
Wenn auch Martha die „Hausfrau“ in der kleinen Familie war, war der
kräftige „Mann im Haus“, eine kaum zu ersetzende Stütze. Die Angst um
ein eventuelles Ableben des Bruders war groß. Die Gedanken der zwei
Frauen laufen Sturm. Wir haben doch Jesus zum Freund. Wo ist er jetzt,
wo wir ihn so sehr brauchen? Sie wissen und glauben an seine
Allmächtigkeit. Sie drücken es auch in ihren Worten aus. Wäre Jesus, hier,
unser Bruder würde nicht sterben.
Martha erfährt, dass Jesus gar nicht weit entfernt ist. Sie schickt Boten, die
Jesus von der Krankheit des Lazarus unterrichten.
Sie tut das in ganz feinen Worten: (Vers 3)
Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank!
In diesen Worten hört man Demut, eine Demut, die nichts vorschreibt und
ein Vertrauen, das dem Herrn alles zutraut. (Zitat JBL).
Ich frage, wie würden wir in solchem kritischen Fall handeln? (Fordern?)
Unverständlich! Für uns absolut unverständlich,wie Jesus reagiert!
Jesus erhält die Botschaft und bleibt noch zwei Tage an dem Ort, wo er
sich gerade aufhält.(6)
Da hören wir den Herrn auch noch sagen:“Diese Krankheit führt nicht
zum Tod. Er, Lazarus, schläft nur, aber ich gehe hin, ihn
aufzuwecken.“(4+11)
Was Jesus etwas später dann seinen Jüngern sagt, ist zunächst kaum zu
verstehen.
Die Jünger waren in der Erwartung, wenn Lazarus gut schläft, dann schläft
er sich gesund. Dieser Meinung folgt Jesus nicht, denn er muss ihnen
sagen, Lazarus ist gestorben, er ist tot.(14)
Die Unverständlichkeit geht weiter.
Jesus sagt den Jüngern:
Ich bin froh, dass ich nicht da gewesen bin…..(15)
Sieht so die Freundschaft zu Lazarus und Familie aus?
Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man den begonnenen Satz
nicht weiter-lesen würde. Denn dort erläutert der Herr sein Verhalten und
damit sein Anliegen.
Vers 15(und ich schreibe so, wie ich es verstehe) …..denn das, was geschehen
wird, geschieht zur Stärkung des Glaubens, insbesondere dem der
Jünger. Darüber hinaus ( 4), geht es um die Verehrung Gottes und des
Sohnes.
Das, liebe Geschwister, war ein größerer „Umweg“, um zur Monatslosung
zu kommen.
Wie ist das so bei einer Beerdigung, wenn Menschen, die wir so lieb
hatten, von uns gehen? Hart schüttelt uns die Trauer und die Tränen
fließen. Da können wir auch Jesu Tränen verstehen. Ein guter,
liebenswerter Freund ist gestorben.
Wie ist das mit den Worten in Vers 15 zu vereinbaren und zu verstehen?
Sagt er doch dort: Ich bin froh, dass ich nicht da war.
Wer die Bibel kennt, weiß , das Jesus den Lazarus zum Leben bringt. Nein,
nicht zum ewigen Leben, aber er darf in das jetzige Leben zurückkehren.
Der Herr wusste genau, was er tun würde. Deswegen auch seine
Reaktionen und Aussagen, als er die Botschaft von der Krankheit erhielt.
Aber weshalb Tränen, als er bei der trauernden Volksmenge eintraf?
Einen Aufschluss geben uns die Verse 36+37, auch 33+38.Wir können aus
diesen Versen entnehmen, dass nicht alle um den Lazarus trauerten,
insbesondere auch Juden, die Jesus als den Messias nicht anerkennen
wollten. Auch hier war die Finsternis am Wirken. Gerade hier, wo es im
Wesentlichen nicht um die Wiederbelebung des Lazarus ging, sondern um
die Verehrung Gottes und des Sohnes, (Vers4) durften die Trauergäste die
Allmacht Gottes erkennen. nicht nur davon hören, sondern Zeugen
werden.
Lasst mich einen „Sprung“ in die weit zurückliegende Vergangenheit tun.
Ich möchte euch mitnehmen zu Mose. Durch Gottes Gnade durfte das Volk
Gottes aus der Gefangenschaft ausziehen. Aber statt Dankbarkeit, hatte das
Volk nur murren gegenüber Gott und Mose übrig. Das zieht sich durch die
5 Bücher Mose so, dass im 5. Buch, in Kapitel 32, Vers 28, gesagt wird:
Denn es ist ein Volk, darin kein Rat ist, und kein Verstand ist in ihnen.
(Luther)
Wenn man bedenkt, dass Gott schon in 2.Mose, im Kapitel 19, in den
Versen 5+6, dem Volk ein Angebot macht, dass man als eine Umarmung
Gottes bezeichnen könnte, kann man das Verhalten des Volkes nicht
verstehen.
Gott spricht dort zum Volk:
Vers 5: Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund
halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern, denn die
ganze Erde ist mein.
Vers 6:
…und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk
sein.
(ein von Gott als König regiertes Reich)
In Vers 8 lesen wir, wie das Volk einstimmt:
Alles was Gott geredet hat, wollen wir tun.
Und wie sie der Stimme Gottes folgen!?
Schon wenige Kapitel weiter lesen wir von ihrer größten Sünde. Wir lesen,
dass sie ein goldenes Kalb (2.Mose,Kap 32) gießen und dieses als Gott
anbeten. Das soll jetzt die Führung des Volkes übernehmen.
Das Buch der Richter zeigt, wie das Volk immer wieder von Gott wegläuft.
In Jesaja Kap 30, Vers 8, lesen wir: Denn dieses Volk ist störrisch. Seine
Söhne sind Lügner, die die Weisung des Herrn nicht gerne hören. (Und
weitere schlimme Dinge). Doch hier wiederholt Gott erneut sein
Gnadenangebot in Vers 15:
Denn so spricht der allmächtige Herr, der Heilige Israels: Durch
Umkehr und Ruhe könntet ihr gerettet werden. Durch Stillsein und
Vertrauen könntet ihr stark sein. Aber das wollt ihr nicht. (NLB)
Können wir nun Jesu Ergrimmen, sein Weinen verstehen?
Er kommt mit seinen Jüngern zu den dortigen, trauernden Leuten und hört
total unangebrachte und ihn beleidigende Worte. Joh 11,37+38.
Aber sein Weinen bezieht sich auf das Verhalten des Volkes. Über die
Jahrhunderte hatte Gott das Volk geführt und bewahrt und Wunder
geschehen lassen. Unser Herr Jesus hatte in seiner Erdenzeit, in vielerlei
Weise, seine große Liebe zu den Menschen, seine Barmherzigkeit, seine
Vollmacht, seine Allmächtigkeit, den Leuten gezeigt. Wie aber schon in
der Vergangenheit, das Volk will nicht, will nicht sehen. Das ist es, was ihn
so sehr betrübt.
Es erhebt sich die Frage an jeden von uns. Wie gestaltest du dein Leben?
Hörst du auf die Tipps und die Wegweisung, die der Herr dir gibt? Ich
gestehe, da war und bin ich schuldig. Nun sage ich dir, du musst dein
Haupt nicht mit Asche bestreuen, wie im AT.
Unser heiliger, liebender Gott, hat seinen Sohn, Jesus Christus, in die Welt
geschickt, um alle—ja, auch deine und meine– Sünde, auf sich zu
nehmen, Er hat dafür sehr viel Leid auf sich genommen. Er hat
die ganze Schuld der Welt an das Kreuz getragen.
Was sagt dein Herz dazu? Kannst du das glauben? Bist du bereit dein
Leben unter die Führung Gottes/Jesu zu stellen, oder muss der Herr auch
über dich weinen?

Liebe Schwester und lieber Bruder im Herrn, liebe/r Leser/in
Ich wünsche dir den reichen Segen Gottes und sein Geleit auf allen deinen
Wegen.

Ihr/Euer/Dein Fritz Kreutzke sen.

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