Auslegung zur Monatslosung

von Fritz Kreutzke

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an
die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen
Leib!
Die Losung für den Monat Juni finden wir, ich hatte es schon im
Vormonat angekündigt, wieder im Brief an die Hebräer. Nun aber im
Kapitel 13, Vers 3.
Schauen wir auf den ersten Satzteil bis zum Semikolon.
Schalten wir den Fernseher ein, werden wir nahezu überhäuft von
Meldungen über schreckliche Ereignisse. Ereignisse, nicht nur in den
Kriegsgebieten, wie beispielsweise in der Ukraine oder im Sudan. Nein!
Wir hören und sehen Berichte aus der ganzen Welt über Gräueltaten von
und an Menschen.
Unser liebender Gott hat uns Menschen so wunderbar gemacht, hat seine
Liebe in uns hineingegeben. Ein Großteil der Menschheit will diese
wunderbare Liebe, diese übergreifende Barmherzigkeit, diese Hilfe in
unserer Lebensführung, nicht annehmen. Gottes Liebe zu uns ging so
weit, dass er seinen einzigen Sohn für unsere Sünde an das Kreuz gab. Er
muss erleben, das auch der Sohn heute vielfach abgelehnt wird.
Es macht mich sehr traurig!
Der Apollos, der vermutliche Schreiber des Briefes an die Hebräer, hatte
natürlich nicht die heutige Zeit im Blick. Es gab also schon damals (und
wohl schon zu allen Zeiten) Gefangene. Ich möchte mich gar nicht damit
befassen, was wohl die Ursachen der Gefangenschaft waren.
Wichtig ist ihm (und das beleuchtet seine Herzensstellung) er versetzt sich
in die Lage der Gefangenen. Mir ist klar, die damaligen Verhältnisse der
Unterbringung waren nicht gut und mit den heutigen in unserem Land,
nicht zu vergleichen. Das ist auch nicht das Anliegen des Apostels. Er sieht
den Menschen. Ja, auch der Verurteilte ist Gottes Geschöpf und bedarf des
Gebetes.
In die Haft gegeben und vergessen? Das gilt für Apollos nicht und darf
auch für uns nicht so sein. Darum ruft er die Gemeinde auf, tätig zu
werden und darin nicht nachzulassen.
Kennt er die Gemeinde, kennt er unser Wesen, ruft er deswegen so
eindringlich und inständig?
Ich spüre in seiner Mahnung sein Hineindenken in das Gefangenensein.
Sein Wortlaut im Vers drei sagt es ganz deutlich: …. so, als wäret ihr
mitgefangen. D.h., so wie ihr behandelt werden möchtet, wünscht ihr es
auch den Inhaftierten. Das heißt aber auch, fühlt euch hineingenommen in
ihre Angst. Ich spüre seine Liebe, gerade für die, die nun ausgeschlossen
sind.
Er sieht, wie nötig der Beistand, besonders im Gebet, ist.
Er, Apollos, ist in Gott gegründet. Er weiß, Gott gibt auch einen
Verbrecher nicht auf. Er möchte auch ihn retten. (Denke an den Verbrecher
am Kreuz).
Wie sehr ihn, Apollos, gerade die Fürsorge für die Leidenden bewegt,
erkennt man schon, als er im Kapitel 10,Vers 24 an die Brüder schreibt:
…und lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und
zu guten Werken. (Luther 1995)
Er konkretisiert seine Worte in den Versen 34, ff.
Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter
erduldet, weil ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt.
Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung
hat.
Wir können im Matthäus-Evangelium nachlesen, wie Jesus auf die
Wichtigkeit der Brüderlichkeit und deren Nichtbefolgung eingeht.
(Matthäus 25, ab Vers 35)
Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet.
Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht.
Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.
Und die Brüder fragen:
Wann? (Wortlaute gekürzt)
Und unser Herr antwortet:
Wahrlich, ich sage euch:
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das
habt ihr mir getan.
Der Blick des Apostels bleibt nicht bei den ersten Worten unseres
Losungsverses stehen. Ihm ist bekannt, dass es nicht bei einer Verhaftung
der Menschen bleibt. Es folgen Schläge und auch Folter.
Darum mahnt er weiter.
Denkt auch an die Misshandelten.
Wie auch schon im vorigen Abschnitt, will ich nicht auf Einzelheiten
eingehen. Aus den Worten des Apostels kann man entnehmen, er ruft nicht
ohne Grund auch für diese gequälten Gefangenen, eindringlich um
ernstliche Gebete, um Hilfe beim Herrn. Seit langem treibt mich in diesem
Zusammenhang immer wieder die Frage um, warum fügen Menschen
anderen Menschen soviel Böses, soviel Leid und soviel Schmerzen zu?
Wie werden sie sich vor Gott verantworten ?
Ach so, sie meinen Gott gibt es nicht! Welch ein Trugschluss, welch eine
verpasste Lebenschance, welch ein Lebensende ohne Zukunft.
Doch es ist nicht so ohne Zukunft! Sie haben ihre Zukunft beim Satan.
Ich habe versucht den Großteil dieses Aufrufes für die Gequälten, schon in
das bisher erarbeitete hineinzubringen.
Nun aber der letzte Satzteil:
Denn auch ihr lebt in eurem irdischen Leib!
Wo ist denn da nun der Zusammenhang zu finden, zum
bisherigen Wortlaut des Apollos?
Bei meiner Suche nach einer Erklärung, fand ich zwei Auslegungen.
…. ihr wisst aus eigener Erfahrung wie schwer es ist oder,
…. wer weiß, was euch noch erwartet?
Hier geht Apollos auf die bisher zurückgelegten Lebenswege ein.
Banal geschrieben, man verzeihe mir bitte, möchte ich es so ausdrücken:
Davon kann wohl jeder Bruder, jede Schwester, jeder Mensch in der
Gemeinde, „ein Liedlein singen.“ Vielleicht waren in der Vergangenheit
schon schwierige, auch ungute Ereignisse, zu überwinden.
Meine Gedanken gehen hier nicht den negativen Weg. Ich bin ein
fröhlicher Mensch, der sich in Jesus geborgen weiß. Ich könnte zur ersten
Auslegung viel, im Krieg erlebtes, beisteuern. Ich möchte aber dazu sagen,
ich durfte erleben, wie der Heiland mich geführt und behütet hat. Diese
Erfahrung, diese Barmherzigkeit, darf erleben und spüren, wer sich
unserem Herrn von ganzem Herzen anvertraut.
Das führt uns zur zweiten Auslegung. Wer weiß, was euch noch erwartet?
Oh weh, da sind sie wieder, die negativen Gedanken. Was wird werden in
dieser Welt voller Hass und Not? Willst du dein Leben mit derartigen
Gedanken meistern? Du wirst mir antworten, so ist die heutige Zeit, das
kann man doch nicht negieren. Nein, wir leben in dieser Jetzt-Zeit, aber
wir brauchen mit unserer Gedankenwelt nicht darin beharren und nur noch
in Furcht leben. Wir haben einen wunderbaren Heiland, dürfen mit unseren
Nöten zu ihm kommen. Er hat es versprochen. (Ps 46,2)
Gott ist unsere Zuversicht und Stärke; eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen
haben.
Ein zweites Versprechen, uns zum Trost, gibt uns der Herr in Matthäus
28,20.
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!
Kannst du dem glauben, der die Wahrheit spricht? Dem, der selbst die
Wahrheit ist?
Was fragte die zweite Auslegung?
Mich führt diese Frage in eine herrliche Zukunft. Ja, die erwartet uns. Ich
hatte schon in einer meiner letzten Auslegungen darüber schreiben dürfen.
Kann es etwas Schöneres geben, als bei und in Jesus geborgen zu sein? Er
hat schon Wohnung für uns bereitet. Das Wissen über unsere ganz gewisse
und zugleich herrliche Wohnung bei Gott dem Herrn, ohne alle die jetzigen
Gefahren, das ist unsere Erwartung.
In den sechziger/siebziger Jahren durfte ich in einem Männerquartett viele
Jahre den 2. Bass singen. Eines der Lieder hat mich heute (28.02) wieder
eingeholt und da es zum Thema passt, möchte ich es abschließend
anfügen. Es trägt den Titel:
Traue Jesu!
1. Herz, aufs Kreuze musst du schauen, wenn dich Nacht und Sturm
umdroht, flieh zu Jesus in der Not, lern alleine ihm vertrauen.
Traue Jesu, er gibt Frieden, traue Jesu, er gibt Ruh.
3. Jesus wird dich freundlich leiten, durch des Lebens Labyrinth. Ob auch
Schweiß und Träne rinnt, er wird selber für dich streiten.
Traue Jesu, er gibt Frieden, traue Jesu, er gibt Ruh.

Es grüßt von Herzen: Euer, nun schon sehr alter, in Jesus geborgener
und fröhlicher,

Fritz Kreutzke senior,96

Consent Management Platform von Real Cookie Banner